Texte / Rezensionen

© Stefanie Grebe 28/07/2015
Ute Behrend – Bauten und Figuren

Die assoziativen fotografischen Bildzusammenstellungen Ute Behrends entziehen sich – obwohl sie doch scheinbar eindeutig identifizierbare Wirklichkeitsfragmente zeigen – in ihrer Poesie einer Erklärbarkeit. Sie wirken im Resonanzraum der BetrachterInnen; trotzdem läßt sich einiges zu ihrer Entstehung und inhaltlichen Bestimmung sagen.

Sehr aufwendig und sorgfältig recherchiert Ute Behrend die Orte, an denen sie fotografiert. Eine Vorstellung leitet sie, dann arbeitet sie genauso wirklichkeitsbezogen wie eine Journalistin. Und diese Recherchen können sie weit weg führen, zum Beispiel nach Georgien, ein Land, in dem viele Zeitschichten gleichzeitig erfahrbar sind und sich einige Vorstellungen
der Fotografin bereits baulich manifestiert haben. Ein weiteres Land steht ganz oben auf der Liste der von der Fotografin bevorzugten Orte: Es sind die real-irrealen Miniaturwelten und Freizeitparks – selber Referenzen auf eine Wirklichkeit, die fotografiert ihren Status nicht preisgibt.

Die Bauten und Orte auf Ute Behrends Fotogafien sind kultureller Ausdruck der nationalen und internationalen Ideen und Werte die sich in sie eingeschrieben haben, sie sind Symbolisierungen eines Denkens und Planens, das Menschen marginalisiert. Allein die dokumentarische Abbildung dieser Orte kann schon als Kritik verstanden werden. Durch die hochformatige Ausschnittwahl wird die Künstlichkeit des fotografischen Blicks betont und eine Fokussierung auf einen Aspekt des Gezeigten in seiner ganzen Bruchstückhaftigkeit findet statt.

In einem ersten Schritt ist die Entstehung der Arbeit „Bauten und Figuren“journalistischdokumentarisch; durch die Kombination zu Bildpaaren entsteht ein neuer Zusammenhang, der durch seine formale Strenge zwingend scheint – mit äußerster Präzision verbinden sich die Bildpaare – und die Fotografien werden aus ihrem ersten Kontext gänzlich befreit. Nie finden wir einen Hinweis auf die Modellhaftigkeit und Örtlichkeit, weder durch Schrift im Bild noch im Bildtitel, woraus zu schließen ist, dass es der Fotografin wichtig ist, den Entstehungsort des Bildes nicht zu nennen, um neue Lesarten zu ermöglichen.

Erst durch die Zusammenstellungen ergeben sich neue Wahrnehmungsräume und Aussagen und Verdichtungen, die sich weit entfernen von der wirklichkeitsbezogenen Forschung, die der Arbeit vorausgegangen ist. Ute Behrends poetischer kurzer Text, der ihrem Buch vorangestellt ist, beschreibt genau ihr künstlerisches Arbeiten und wirft die Betrachtenden auf sich selbst zurück: sie werden gezwungen sich einzulassen, den Bildern zu folgen und eigene Gedanken und Empfindungen zuzulassen.


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